headerBild
headerBild
headerBild
Logo Oekolog

Green Care Österreich
Tiergestützte Intervention am Bauerhof
Tiergarten Schönbrunn Wien
ÖDAST
ÖVVÖ
AniCura Hollabrunn
Haus des Meeres Wien

Devon – eine Reise wert!

Im Rahmen des Mobilitätsprojekts COLLVET durften wir, Dominik Köck und Barbara Kilian, von der Landwirtschaftlichen Fachschule Hollabrunn eine Woche (23. Februar – 01. März 2015) in Großbritannien, genauer in der Grafschaft Devon, verbringen.
Ziel unseres Aufenthalts war es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zweier Schulen, die von ihren Ausbildungsangeboten ähnlich sind, herauszufinden und zu bewerten. Diese beiden Schulen sind die LFS Hollabrunn sowie das Bicton College. Darüber hinaus lag der Schwerpunkt der Beobachtungen auf dem kompetenzorientierten Lernen, der Umsetzung von Qualifikationsrahmen und den Einstufungsmöglichkeiten bei Schuleintritt.


Nach einer überaus herzlichen Begrüßung durch Sue Merrett, Head of programmes, war es auch sie, die uns nicht nur die Schule vorstellte, sondern uns auch durch das Gelände führte. Bereits bei dieser ersten Begegnung wurden Unterschiede unserer Schulen, aber auch Gemeinsamkeiten erkennbar. Insgesamt ist die Bandbreite der Ausbildungsmöglichkeiten im Bicton College eine deutlich größere, was sich durch die weitaus höhere Anzahl an Schülern (ca. 600) erklären lässt. Gerade in den Bereichen der Haustierhaltung und der Landwirtschaft, wie wir sie auch an der LFS Hollabrunn vorfinden, gibt es aber, insbesondere was die Räumlichkeiten und die praktischen Tätigkeiten im Unterricht betrifft, zahlreiche Gemeinsamkeiten. Die neu eingerichteten Praxisräume in den Bereichen der Vivaristik und der Terraristik erinnerten uns sehr an die Gegebenheiten in Hollabrunn, auch auf dem der Schule angeschlossenen Betrieb, wo der Praxisunterricht für die Schüler der Landwirtschaft stattfindet, erlebten wir uns bekannte praktische Tätigkeiten.


Große Unterschiede im Bereich der theoretischen Unterrichtstätigkeit wurden im Bereich der Haustierhaltung erkennbar. Die Schüler können diesen Zweig erst dann besuchen, wenn sie eine Anstellung bei einem Tierarzt vorweisen können. Dort sind sie vier Tage/Woche tätig, am fünften Tag besuchen sie die Schule, um dort vorwiegend den theoretischen Input zu bekommen. Meist haben es die Lehrer hier mit bereits älteren Schülern zu tun.

Darüber hinaus gibt es aber natürlich, wie bei uns auch, den regulären Schulunterricht, im Bicton College für Schüler ab 16 Jahren, wo in allen Ausbildungssparten der Theorie- mit dem Praxisunterricht kombiniert wird. Funktioniert das, was die Stundeneinteilung und -verteilung betrifft, ähnlich wie bei uns, läuft die Einstufung bei Schuleintritt gänzlich anders ab, als wir das gewohnt sind. Assessments (in Mathematik und Englisch), in der Regel online durchgeführt, stellen die Grundlage für die Einstufung der Schüler in die Levels 1, 2 oder 3 dar. Selbstverständlich haben die Schüler im Laufe ihrer Schulkarriere die Möglichkeit, in das nächsthöhere Level überzutreten, wenn die Leistungen dafür erbracht worden sind.


Was die Prüfungskultur betrifft, lassen sich generell große Unterschiede feststellen. Online-Tests stehen ebenso wie die externe Beurteilung an der Tagesordnung. Darüber hinaus gibt es im Rahmen von Konferenzen o. Ä. immer wieder die Möglichkeit, jene Beurteilungen, die von den Lehrpersonen selbst vorgenommen werden, einer gegenseitigen Prüfung zu unterziehen, um allgemein gültige Beurteilungskriterien zu schaffen und in der Folge anzuwenden.


Wie eingangs erwähnt, stand auch das kompetenzorientierte Unterrichten im Fokus unseres Besuchs. In Großbritannien wird in diesem Zusammenhang von „skills“ gesprochen und es macht den Eindruck, als wären diese nicht nur standardisiert, sondern kämen auch bereits zur Anwendung. So erscheint es im Bicton College als selbstverständlich, dass die Unterrichtenden mit Checklisten, auf denen die in dieser Unterrichtseinheit zu erreichenden „skills“ sehr detailliert aufgelistet sind, in den praktischen Unterricht gehen. Gemeinsam mit den Schülern werden diese „skills“ besprochen und es wird geklärt, was getan werden muss, um diese zu erreichen. Im Anschluss an die Durchführung der praktischen Tätigkeiten kommt die Gruppe noch einmal zusammen und gemeinsam wird wieder ein Blick auf diese Checkliste geworfen. So wird nun evaluiert, was bereits erreicht werden konnte und was getan werden muss, um ev. noch vorhandene Defizite auszubessern. In dieser Phase des Unterrichts nimmt die Lehrperson eher die Rolle eines Coaches bzw. Begleiters ein.


Zu guter Letzt bekamen wir auch noch die Möglichkeit, mit Verantwortlichen über die Anwendung von nationalen bzw. europäischen Instrumenten zu sprechen, insbesondere galt unser Augenmerk dem nationalen bzw. europäischen Qualifikationsrahmen. Wir mussten erstaunt feststellen, dass Begriffe wie EQR oder ECVET bei nur sehr wenigen unserer Gesprächspartner bekannt waren. Alle versicherten aber übereinstimmend, dass sie solche Instrumente als sehr positiv erachten, v. a. im Hinblick auf die Idee, Schüleraustauschprogramme verstärkt in das Unterrichtsgeschehen einzubinden. Diesbezüglich wurden ebenfalls Gespräche geführt, zunächst einmal soll es online zu einem Austausch der Schüler kommen. Es ist geplant, sich wechselseitig, beispielsweise über soziale Netzwerke, die jeweils andere Schule vorzustellen. Auch ein Gedankenaustausch zur Landwirtschaft in Großbritannien und jener in Österreich ist geplant.


Im Rahmen einer Begegnung mit einer der Direktoren am Bicton College erfuhren wir außerdem von einer Eingliederung des Colleges in einen Verbund von insgesamt acht Colleges, was den Vorteil mit sich bringt, ressourcenschonender arbeiten und noch individuellere, auf den einzelnen Schüler abgestimmte Ausbildungsmöglichkeiten anbieten zu können. In diesem Zusammenhang fiel auch der Begriff „module“, der mit unseren Lernfeldern gleichgesetzt werden könnte. Das Bicton College ist gerade dabei Lernfelder zu kreieren, wir selbst lernten eines zum Thema „selling pigs“ kennen. Dies entspricht in seinem Aufbau jenen, die auch bei uns bekannt sind.


Schlussendlich kamen wir mit sehr vielen Eindrücken und noch viel mehr Material nach Hause. Wir sind uns sicher, dass das System des Bicton College genauso seine Vor- und Nachteile hat wie das unsrige. Jetzt gilt es den Versuch zu starten, die positiven Eindrücke (Assessments, Checklisten, …) in unseren Schulalltag zu implementieren.